Das Beste im Januar sind nur zwei Gedichte: schlicht, weil es diesem Monat an allem fehlt. An Ruhe, an Gelassenheit, an Schnee, an Winterzauber und vor allem an einem freien Kopf.

Ich erinnere mich, wie ich bei einer Veranstaltung abends meinen Blick aus den Fenstern in die rabenschwarze Winternacht schweifen lies. Und erst hab ich es nicht gesehen, aber im Gegenlicht der Laterne auf der anderen Straßenseite konnte ich leichte Flocken entdecken. Sie wurden immer mehr. Keiner aus mir schien sie bemerkt zu haben und über dieses kleine Wunder, dieses Geheimnis, das zu diesem Zeitpunkt nur ich in dem Raum kannte, musste ich lächeln.

gedicht über schnee

Dann ist im Januar noch etwas passiert: ich war zu einer Geburtstagsfeier eingeladen, wo ich meinen Ex getroffen habe. Nun sind wir schon einige Jahre getrennt, aber manchmal war das Wiedersehen in dieser Zeit noch komisch. Schmerzbelastet oder wirklich auch schmerzhaft. Der andere kann einen immer noch mit einem Blick lesen, der von jetzt auf gleich eine Intimität herstellt, die alle Menschen herum in den Schatten stellt. Für den Bruchteil einer Sekunde fällt man zurück in die Zeit der Beziehung, alles verlangsamt sich, bis ein Blinzeln die Situation durchbricht und aufhebt. Diesmal war es anders. Es war okay, es war gut. Der Schmerz war weg und am Ende blieb die schöne Erinnerung und die guten Geschichten. Und ja, auch ein friedliches Lächeln. Man trinkt ein Bier zusammen, erinnert sich gemeinsam an komische/peinliche Momente und schwelgt wie alte Freunde in Erzählungen mit dem Wissen, dass diese Zeit vorbei ist. Und jeder hat seinen Frieden damit gemacht.

Das hat mich an dieses Gedicht erinnert, das ich schon letztes Jahr geschrieben hatte. Damals kam das einfach so in meinen Sinn, ich wusste es gar nicht so richtig zuzuordnen. Jetzt kann ich es zuordnen und es passt wunderbar zu der obigen Geschichte.

gedicht über das verlassen