Hallo ihr Lieben!

Neulich sagte mir jemand etwas Interessantes: er meinte, dass unserer Generation etwas mehr Zufriedenheit, wie sie unsere Eltern hätten, gut stehen würde. “Hä, was meint er damit?”, dachte ich mir im ersten Moment. Ich bin doch zufrieden! Was ich im ersten Moment entrüstet von mir gewiesen habe, stimmt aber vielleicht auf den zweiten Gedanken doch.

Bedenkt man, was unsere Eltern in unserem Alter hatten bzw. was sie nicht hatten, fühlt man sich ziemlich privilegiert. Damals waren Internet, Handy, ständig neue Nachrichten, Spotify, Netflix und online shoppen noch Zukunftsvisionen. Wenn du cool warst, hattest du mit 15 ein Mofa und einen Schallplattenspieler mit den neuesten Platten von den Beatles, Abba oder Queen. Wenn deine Eltern es sich leisten konnten, ging es im Urlaub mit dem Auto nach Italien. Allerhöchstens Frankreich (eher nicht wegen Erzfeind und Krieg und so). Allerdings: die Jugend damals hatte den Vergleich mit heute nicht. Ihnen hat nichts gefehlt. Sie hatten im Gegensatz zu uns heute Zeit, Erlebnisse die nicht gleich auf einem social media Netzwerk gepostet wurden, politische Haltungen, Aktionismus und den Wunsch etwas aus sich zu machen.

Früher war alles besser? Vielleicht.

Vergleiche mit anderen Jugendlichen waren nur in der Schule oder innerhalb der Verwandtschaft möglich. Stars gab es nur im Kino, auf Plakaten oder in Zeitschriften zu bewundern. Eine Frisur wie James Dean oder einen Augenaufschlag wie der von der Bardot – in dem Punkt eiferten Jugendliche von damals ebenfalls ihren Idolen nach. Heute sind die Stars allgegenwärtig. Im Handy auf unseren social media Kanälen, im Fernsehen, in der Werbung…..und Teenager wollen immer noch so sein wie sie, allerdings in weitaus bizarreren Konstellationen. Verwöhnte Töchter rennen zum Beauty-Doc, um einen Hintern oder Lippen wie Kim Kardashian zu bekommen. Sie greifen brutal und in vollem Bewusstsein in ihren Körper ein. Das ist nicht mehr gesund und zeugt von sehr viel Unsicherheit, die natürlich durch die Medien befeuert wird. So wenig Selbstbewusstsein hatte unsere Eltern-Generation nicht. Es gab mehr “Typen”, mehr Charakter(köpfe) – auch in der Gesellschaft. Man durfte noch ein Mensch mit Ecken und Kanten sein, ich denke hier z.B. an Franz Josef Strauß. Und heute? Instagram-Profile junger Mädchen unterliegen einer Konformität, die mittlerweile schon langweilig ist. Jede versucht das dünne, langhaarige, süße Mädchen mit der gepflegten Haut, dem tollen Make-up und der Tigh-Gap zu sein.

Anstatt mit sich und dem, was Gott ihnen geschenkt hat, glücklich zu werden. Wo ist diese Zufriedenheit hin? Warum sind wir nicht glücklich und schätzen die Dinge, die wir bereits haben, anstatt immer weiter, höher, schöner, schlanker etc. sein zu wollen.

Was soll dieser ganze Optimierungswahn?

Oder die Jungs: ich kann an einer Hand abzählen, welche Männer in meinem Umfeld KEINEN Sport machen. Jeder möchte einen durchtrainierten Körper, Sixpack, Armmuskeln. In Scharen rennen sie in die Fitnessstudios, die Berge und in Schwimmbäder. Versteht mich nicht falsch – Sport ist gut! Sport ist ein Muss, um fit zu bleiben. Ich verstehe nur die Verbissenheit dahinter nicht. Da gibt es Must-Climb-Gipfellisten, anstatt dass man einfach sagt ” Hey ich gönn mir heute mal ein wenig Auszeit in der Natur und in den Bergen. Einfach weil ich die Natur mag” und nicht, weil ich noch ein Häkchen auf irgendeiner Liste setzen muss, die mir dann bestätigt, dass ich super sportlich bin. Liegt dem Ganzen vielleicht etwas Anderes zugrunde? Sind wir vielleicht nicht selbstbewusst genug – genau wegen dem ständigen Vergleich mit anderen in den Medien – und brauchen wir deswegen Bestätigung durch Likes, Listen, Reiseziele und Kalorien?

In diesem Punkt, der ein essentieller in unserem Leben ist, muss ich der Aussage oben zustimmen. Wir sind nicht zufrieden. Uns fehlt es an Selbstliebe. Dabei ist jeder von uns ist gut so, wie er ist! Wir sollten diesem optischen Optimierungswahn in der Gesellschaft einen Riegel vorschieben. Schluss mit noch sportlicher, noch gesünder essen, noch perfektere Haut, noch beliebter, noch dünner….SCHLUSS!

Kümmern wir uns doch anstatt um Äußerlichkeiten lieber um unseren Charakter. Wie wäre es mit einer Optimierungswelle hin zu noch belesener, noch kreativer, noch verzeihender, noch couragierter, noch liebevoller….? Wäre das nicht ein guter Vorsatz fürs neue Jahr?

Mir bleibt abschließend nur zu sagen:

Sei du selbst – alle anderen gibt es nämlich schon.