Hallo ihr Lieben!

Ich bin jetzt schon einige Tage auf den äußeren Hebriden unterwegs gewesen, um genau zu sein zweieinhalb Wochen. Und obwohl das nicht sehr lange ist, kann ich euch doch schon ein wenig über das Leben auf dieser Inselgruppe erzählen.

Langsam angehen

Generell hab ich das Gefühl, dass die Uhren hier anders ticken. Sowohl in den Gesprächen mit Bill und Maggie, meinen Gastgebern, als auch mit den anderen Leuten hier. Keiner lässt sich stressen, alles halb so wild, man hilft sich gegenseitig, nur nicht hudeln….das erinnert mich an Kindheits-Urlaube auf den nordfriesischen Inseln – die hatten die selbe Lebenseinstellung. Vielleicht braucht man die hier auch, sonst raubt einem das raue Klima der Insel zu schnell die Kräfte. Generell ist es hier vor allem: ruhig. Außer der Brandung des Meeres und dem Kreischen der Möwen hört man nicht viel. Es gibt wenig Autos und Verkehr, dementsprechend wenig Verkehrslärm gibt es. Manchmal frage ich mich, ob mir die Umstellung nach diesem Roadtrip auf Stadtlärm so gut gelingen wird. Ich genieße die Ruhe hier nämlich sehr.

Regenbogen über die Insel Eriskay

Ich hab noch nie so viele Regenbögen gesehen wie in Schottland

Es gibt für alles eine Lösung – es dauert nur ein bisschen länger

Ich hatte leider auf Mull meine Adaptersteckdose vergessen und konnte nichts mehr aufladen, keinen Laptop, keinen Foto und keinen Fön bedienen. Ahhh, Hilfe! Und genau dann, wenn ich auf die Hebriden fahre! Mein Gastvater hat zwar mit Rasieradaptern kurzfristig helfen können, aber das ist ja kein Zustand. Der nächste “Baumarkt” liegt in North Uist, zwei Autostunden entfernt. Der nächste Elektro-wir-haben-aber-auch-andere-Sachen-Laden lag zwar näher, aber die hatten sowas nicht. Die sind nicht wirklich auf Touristen eingestellt. Was super ist, wenn man sich von der Welt abschotten möchte, aber wenn man wie ich bloggen und erreichbar sein möchte, ist das nicht so prickelnd. Netterweise hat der Mensch in dem Wir-haben-alles-Laden bei seinem Kumpel oben im Norden der Insel angerufen und gefragt, ob er sowas führt, damit ich nicht umsonst hin fahre. Hatten sie. Ich bin also auf meinem Weg in den Norden einen kleinen Umweg gefahren und hab diesen Baumarkt gesucht. Ihr müsst euch das so vorstellen: ihr fahrt auf einer engen, gewunden Straße an der kargen Küste von North Uist entlang. Hier und da stehen vereinzelt Häuser. Alle haben den einen furchtbaren, grau-braunen Anstrich (wahrscheinlich wegen dem Salzgehalt in der Luft). Die Landschaft sieht trostlos aus, das Gras ist bereits verwelkt, die Sträucher kahl. Bäume gibt es keine. Die Häuser verdichten sich am Straßenende, so viel kannst du erkennen. Und auf einmal taucht rechts ein kleiner Bungalow auf, der mehr wie eine Garage aussieht. Dass das ein Baumarkt sein soll, kann man nur an einem kleinen Schild und dem Mini-Parkplatz davor erkennen. Innen empfängt den Kunden ein muffig-staubiger Geruch, die Neon-Röhren beleuchten die deckenhohe Regale grell. Alles ist voll gestopft mit allen möglichen Dingen, die es auch so oder ähnlich in einem normalen Baumarkt geben würde. Aber wir sind hier auf einer Insel – hier gibt es nicht alles genauso im Übermaß wie auf dem Festland und schon gar nicht so schnell und einfach. Dass die Verkäuferin in diesem unübersichtlichem Warenlager einen Adapter für mich findet, grenzt meines Erachtens nach fast an ein Wunder. Ich bezahle lächerlich wenig, unterhalte mich noch kurz mit ihr und fahre weiter. Bizarr, irgendwie 🙂

Ich war mit den Füßen im Meer, yay! Mit Gummistiefeln zählt auch, oder?

Die Leute hier halten zusammen

Die nächste Geschichte, die ich euch erzählen möchte, handelt von einem jungen Mann. Ich hab ihn nie getroffen, aber von ihm gehört. Er war zur gleichen Zeit wie ich in Schottland unterwegs, allerdings von Norden nach Süden. Er kam wie ich aus Deutschland, fuhr einen schwarzen VW Bus und hatte einen Huskie bei sich. Auf seiner Tour über die äußeren Hebriden hat wohl der Hund etwas kaputt gebissen (oder irgendwie sowas in der Art) und die Einwohner haben sich alle über diverse Facebook-Gruppen, ihr Radio und mündlich darüber informiert, dass man diesen Menschen jetzt suchen würde. Weil ich auch Deutsche bin, fragten die Leute öfters, ob ich den jungen Mann nicht zufällig mal irgendwo getroffen hätte. Hatte ich nicht. Aber als ich dann auf Lewis mit einem Weber gesprochen habe, erfuhr ich, dass der junge Mann gefunden wurde. Kurz bevor er wieder aufs Festland übersetzte, haben sie ihn entdeckt. Und davon hab ich 400 km entfernt erfahren. Buschfunk funktioniert hier. Da hier auch so wenige Leute leben, kennt man sich. Und hält zusammen. Find ich irgendwie gut – die Inseln sind wirklich wie ein großes Dorf!

weißer einsamer Strand in Uist

Die ewig schönen Strände mit Wolken-Theater….

Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick geben, wie das Leben hier so verläuft – entspannt, ruhig und mit der Natur. Was soll man auch groß anderes machen?