Hallo ihr Lieben!

Wie schon gedacht, war die Fahrt nach Oban ziemlich lang und anstrengend. Ich bin bei finsterster Nacht und Nieselregen angekommen…aber der Reihe nach.

Bis zur schottischen Grenze bin ich Autobahn gefahren, das ging total problemlos. Vorbei an Manchester Richtung Glasgow zur schottischen Grenze mit Gretna Green als erstem Ort. Vielleicht habt ihr davon schon einmal gehört – da Ehen immer mit Einverständnis der Eltern und erst mit Erreichen der Volljährigkeit in England möglich waren, sind viele junge Paare nach Schottland durchgebrannt um dort zu heiraten. Gretna Green war der erste Ort nach der Grenze und der dortige Schmied hat viele Paare getraut – so kam das Dörfchen zu seiner Berühmtheit.

Ab der schottischen Grenze waren die Straßen bis Glasgow noch ok, danach wurde es etwas holpriger. Generell sind die Straßen hier oft nicht in so einem guten Zustand. Deshalb versuche ich es zu vermeiden bei Nacht zu fahren, denn wenn man Pech hat gibt es nicht einmal einen Begrenzungsstreifen rechts und links, der einem den Verlauf der Straße anzeigt. Und so kurvig wie die hier sind wird das bei Nacht kein Spaß. Sondern eher gefährlich und anstrengend.

Gerechterweise muss ich aber einen Abschnitt erwähnen, der einfach nur wunderschön war: eine malerische Straße zwischen Loch Lommond und Oban durch die hügeligen Highlands. Sorry für die verwackelten Bilder, ich hab die teilweise aus dem Auto raus fotografiert…

Ich hatte leider keine Zeit lange und oft stehen zu bleiben um Fotos zu machen. Wie ihr auf den Bildern seht, hat es schon gedämmert und ich musste von dort noch über eine Stunde zu meinem Ziel fahren. Auf den letzten Metern hab ich echt Gas gegeben, dass ich möglichst viel noch bei Tageslicht fahre. Gerade in den letzten Lichtminuten des Tages bin ich in Oban angekommen….die Stadt ist richtig klein und süß und sah sehr einladend aus mit den Lichtergirlanden, die über die Hauptstraße gespannt waren. Nach einer weiteren halben Stunde Fahrt hab ich im letzten Tageslicht die Einfahrt zu dem Glen gefunden, wo meine erste Station liegt. Ab dort herrschte Dunkelheit – sprichwörtlich. Denn Straßenbeleuchtung gibt es hier nicht. Leitpfosten oder Katzenaugen in der Mitte der Straße – Fehlanzeige. Jetzt hieß es Nebelscheinwerfer an, volle Konzentration, damit ich nicht noch auf den letzten Metern ein Schaf anfahre und rein. Der Nieselregen hat nicht wirklich geholfen, teilweise war die Straße unter Wasser gesetzt, so schlimm hatte es geregnet. Mein Navi hat mich komplett verloren, Handynetz gibt es keines (das wusste ich sogar schon vorher). Ich konnte nicht einmal meinen Host anrufen um mich lotsen zu lassen – ich musste da alleine durch. Die Wegbeschreibung hieß: folge der Straße 5 Meilen bis fast kurz vor dem Ende, wir sind links das große Haus mit dem Turm (was ich nicht sehen konnte, weil es dunkel war, haha).

Anja, danke. Wie lange sind 5 Meilen? Bei Dunkelheit gefühlt 10 km. Ich fuhr und fuhr, es war kein Ende in Sicht. Wie tief soll ich noch in dieses Glen rein fahren, dachte ich mir? Und: fangen so nicht auch ein paar Horrorfilme an? Mit einer orientierungslosen Person, die bei Nacht an ein Haus klopfen muss? Nach drei falschen Abzweigungen, abenteuerlichen Wendungen auf der kleinsten Straße der Welt, einmal fast im Matsch stecken bleiben und noch immer keine Ahnung, wo dieses Haus sein soll, hab ich beschlossen: ich frag jetzt. Wenn ich nicht die Nacht im Auto verbringen möchte, muss ich jetzt jemanden fragen.

Der Bauer an der nächstgelegenen Farm sah mich nur an, als er die Tür aufmachte und schlussfolgerte richtig: Oh, you are lost, aren’t you?

Und wie lost!

Wobei ich näher dran war als gedacht. Mein Ziel war das Nachbarhaus. Ich bin nur immer wieder dran vorbei gefahren, weil das Gatter unten zu war und ich den Weg nicht gesehen hatte. Halleluja! Nach knapp 9h Fahrt bin ich endlich angekommen! Nie wieder, nie wieder, werde ich bei Dunkelheit in Schottland versuchen etwas zu finden, hab ich mir geschworen.

Jetzt muss ich mich erstmal ein paar Tage erholen, von der anstrengenden Fahrt.