Hallo ihr Lieben!

Es ist nun mal so: als Frau alleine auf Reisen bekommt man oft viele Kommentare solcher oder ähnlicher Natur zu hören wie “Find ich sehr mutig von dir das zu machen”, “Also ICH würde mich das ja nicht trauen!”, “Hast du denn keine Angst, dass dir was passieren könnte?”, “Meinst du du kommst alleine zurecht?” etc. Überraschenderweise kamen diese Kommentare meist nicht von Männern, sondern von Frauen aus meinem direkten Umfeld. Männer fanden mein Vorhaben in erster Linie cool, respekteinflößend, abenteuerlustig und spannend. Diese Reaktion fand ich weitaus angemessener als die meiner Freundinnen, Bekannten und Arbeitskolleginnen. Dass sich meine Mutter Sorgen um meine Sicherheit und mein Wohlergehen macht – verständlich. Das tut sie auch wenn ich in München bin. Sie ist allerdings selber eine toughe Frau und hat mich auch so erzogen, deswegen galt ihre Sorge vor meiner Reise vornehmlich dem Zustand meines Autos und ob die Menschen, die ich treffen und bei denen ich wohnen werde, wohl nett sind. Das Abenteuer als Ganzes traute sie mir völlig zu. Dieses Vertrauen hätte ich mir von den anderen Frauen auch gewünscht. Nicht nur in mich, sondern auch in sich selbst. Natürlich kann eine Frau eine solche Reise machen, wieso auch nicht? Das ist Europa, nicht der Iran. Warum sollte ich nicht die Zeit bis zu meinem nächsten Job nutzen und ein Abenteuer erleben? Warum sollte ich nicht endlich meinen Traum wahr werden lassen und dafür kämpfen? Warum sind so viele Frauen unsicher, ängstlich und trauen sich selbst so wenig zu? Ich weiß es nicht, aber ich würde diesen Frauen gerne einen guten Rat geben: hackt Holz!

Das mag jetzt reichlich simpel erscheinen. Doch ich habe selbst die Erfahrung machen (müssen), dass man für diese Tätigkeit Courage braucht. Es hat mich fast einen ganzen Vormittag gekostet, um den Dreh raus zu bekommen. Neben der körperlichen Anstrengung (wie zum Geier bekomme ich überhaupt diese gefühlte 10kg Spaltaxt hoch?!) hatte ich am Anfang Schiss. Einfach davor mich mit diesem Teil selbst zu verletzen. Und sei es nur, es aus Tollpatschigkeit auf meinen Fuß fallen zu lassen. Und paradoxerweise auch Angst den Baum vor mir zu verletzen. Wobei doch das mein eigentliches Ziel war! Wie absurd, dachte ich mir in diesem Moment. Gleichzeitig wurde mir klar, dass ich einfach nicht der Typ für mutwillige Zerstörung bin. Ich bin mehr  der harmoniebedürftige, helfende Typ, der gern alles wieder kittet. Und keine “Ich töte für uns ein Mammut”-Maschine. Allgemein gesehen sind die meisten Frauen das wahrscheinlich nicht.

Wie also geht das? Hier für alle, die es gerne einmal ausprobieren wollen, eine Kurzanleitung fürs Holz hacken:

Man muss sich wirklich konzentrieren. Fokus auf den Baumstamm. Und sich verinnerlichen, dass man das wirklich will – ich will diesen Baumstamm spalten! Nicht ablenken lassen. Jede Ablenkung verschwendet Energie. Dann alle Kraft zusammen nehmen, aus dem tiefsten Inneren heraus jeder einzelnen Faser des Körpers sagen, dass man jetzt dieses Holz spalten wird! Bei Bedarf gern einen archaischen Schrei ausstoßen, ausholen und die Axt in einem schönen Bogen auf den Holzklotz sausen lassen. Et voilá, le bois!

Warum besinnen wir uns nicht öfter auf die eigene Courage? Wir haben sie, sie steckt tief in jeder von uns. Manchmal ist sie aber einfach nur unter so viel Alltagsmüll vergraben, dass wir sie ganz vergessen. Ich hatte meine selbst verlegt und auch ein bisschen vergessen, dass ich sie überhaupt habe. Und vor allem: wie viel ich davon habe! Das war sehr überraschend.Wir stecken alle einmal in einem Tief, haben einen schlechten Tag, wo wir am liebsten nur heulend Schokolade essen und uns im Bett verkriechen möchten. Diese Zeiten sind für mich weitaus besser auszuhalten, seit ich weiß, wie viel Stärke in mir wohnt. Ich kann euch nur raten es auszuprobieren! Ihr müsst nicht unbedingt dafür Holz hacken gehen (wobei das sehr hilfreich ist) – traut euch eure innere Courage zu finden! Jede hat sie!

Traut euch!

 

*Natürlich dürfen sich von diesem Text, obwohl für Frauen geschrieben, auch Männer angesprochen fühlen.

** Danke an meine Mama. Dafür, dass sie mich zu einer starken Frau erzogen hat, die sich von anderen nicht von ihrem Weg abbringen lässt.